R wie Rohprotein, -fett, -asche, -fasern und -wasser

Wer schon einmal genauer auf die angegebenen Deklarationen bei Tierfutter geachtet hat, dem sind die Begriffe Rohprotein, -fett, -asche, -fasern sicherlich bekannt. Diese sind obligatorisch auf jeder Verpackung angegeben. Was diese genau bedeuten und wie sie sich zusammensetzen erkläre ich heute.

Diese fünf Werte sind ein gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil der Deklaration auf Tierfutter. Sie geben die durch ein standardisiertes Verfahren erhaltenen prozentualen Anteile eines Futters wieder.
Diese weltweit verwendete Weender-Analyse (seit 1864) soll den Wert von Futtermitteln charakterisieren. Diese Methode wird unter anderen auch bei Stiftung Warentest zur Bewertung von Futtermittelproben herangezogen. Das Prinzip beruht auf schrittweiser Auftrennung des Futters in seine Bestandteile nach strikt vorgegebener Reihenfolge und Vorgehensweise.

Zu aller erst wird das Rohwasser bestimmt

Dieser Begriff umfasst sämtliche bei 103°C flüchtigen Bestandteile des Futters. Dazu zählen: Wasser, flüchtige Fettsäuren wie Essig-, oder Buttersäure, und andere flüchtige Stoffe wie ätherische Öle oder Alkohol. Zieht man das Rohwasser von der ursprünglichen Substanz, also dem Futter, ab so erhält man die Trockensubstanz(TS) des Futters (hiermit werden i.d.R. Rationsberechnungen durchgeführt). Die Trockensubstanz erhält man durch vierstündiges Trocknen des Futters bei 103°C. Die Probe wird davor und danach gewogen, so weiß man wie viel Feuchtigkeit im ursprünglichen Futter enthalten ist.

Als zweiter Schritt wird die Rohasche (Ra) bestimmt

Hinter diesem Begriff verstecken sich alle anorganischen Substanzen eines Futters. Das sind sowohl Mineralien wie Mengen- und Spurenelemente, als auch sonstige anorganische Bestandteile wie zB Silikate. Die Rohasche erhält man, indem die Trockensubstanz eines Futters im Muffelofen für sechs Stunden bei 550°C verascht wird. Um die wertvollen Mineralien von unerwünschten anderen anorganischen Bestandteilen unterscheiden zu können wird die Rohasche mit Salzsäure(HCL) versetzt. Mineralien lösen sich in dieser. Übrig bleiben in Salzsäure unlösliche Stoffe wie Silikate. Die erwünschte Reinasche setzt sich aus der Rohasche minus den unlöslichen anorganischen Bestandteilen zusammen.

Das Rohfett (Rfe) ist der dritte Wert

Hierbei handelt es sich um eine einheitliche Gruppe von Stoffen, die sich in Petroläther (Siedepunkt 40- 60°C) lösen. Dazu zählen eigentliche Fette, aber auch Lipoide (zB Carotinoide, Phospholipide) und andere ätherlösliche Stoffe. Diese Werte bekommt man nach anfänglichem Säureaufschluss und anschließendem Extrahieren des Futtermittels mit Petroläther im sogenannten Soxhletapparat.

Das bekannte Rohprotein (Rp)

Rohprotein beschreibt die Stickstoff/(N)-haltigen Verbindungen im Futter. Dazu zählt Protein an sich aber auch N-Verbindungen nichteiweißartiger Natur. Dazu zählen freie Aminosäuren, aber auch Ammoniumsalze, Alkaloide etc. Ein hoher Rohproteingehalt spricht also nicht unweigerlich für einen hohen Proteingehalt. Bestimmt wird hier mit dem Kjeldahlverfahren, also einer Oxidation des Futtermittels mit konzentrierter Schwefelsäure und anschließender Überführung des Stickstoffs (N) in die Ammoniumform. Nach Zugabe von NaOH(Natriumhydroxid) wird Ammoniak freigegeben, in vorgelegter Säure(Schwefel-, oder Borsäure) überdestilliert und titrimetrisch, also chemisch-analytisch erfasst.

Die Rohfaser (Rfa)

Bei Rohfaser handelt es sich um den unlöslichen, fett- und aschefreien Rückstand in verdünnten Säuren und Laugen. Sie enthält nur unlösliche Anteile von Zellulose, Hemizellulose, aber auch Lignin und andere Zellwandstoffe. Hierzu wird das Futter in 1,25% Schwefelsäure 30 Minuten gekocht, dann mit heißem Wasser gewaschen. Anschließend 30 Minuten kochen in 1,25% Kalilauge und waschen mit heißem Wasser und Aceton. Die Substanz trocknet und wiegt man, um sie dann noch zu veraschen . Diese Asche wird vom Gewicht der getrockneten Substanz abgezogen um die Rohfaser zu erhalten.

Zu allerletzt: N-freie Extraktstoffe (NfE)

Diese Gruppe kann nur rein rechnerisch erfasst werden. Sie enthält Polysaccharide (Stärke, Glykogen), Zucker (einfach und mehrfach) sowie lösliche Teile von Zellulose, Hemizellulose, Lignin und Pektine.

Fazit

Wie sich erkennen lässt sind trotz dieser aufwendigen Verfahren nur gröbere Bestimmungen möglich, warum es auch weitere noch neuere und genauere Analyseverfahren gibt, die im Anschluss durchgeführt werden können. Nichtsdestotrotz geben die Rohnährstoffe einen wichtigen Überblick über das jeweilige Futtermittel.