W wie Wolf

Der Urvater des modernen Hundes. Er steht für Stärke, Wildheit und Natur und wird oft in diesem Zusammenhang in der Werbung verwendet. Es wird suggestiert der Hund sei wie ein Wolf. Warum man hierbei vorsichtig sein soll erfährt ihr jetzt.

Eckdaten zum Wolf

Canis lupus lupus lautet der wissenschaftliche Name des Wolfes. Es gibt verschiedene Unterarten vom Grau-, bis zum Timberwolf und sie leben in familiären Rudeln von 5 bis 8 Tieren. Auch wenn Wölfe mancherorts selten bis verschwunden sind so kommen und kamen sie von den arktischen Tundren bis zu den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens vor. Meistens findet man sie aber in Steppen oder Wäldern.
Europäische Wölfe werden zwischen 70 bis 90 cm groß, gemessen an der Schulterhöhe, wobei Männchen meist größer und stärker sind als Weibchen. Variierende Fellfarben von gelblichgrau, über graubraun bis dunkelgrau sind hier üblich und die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 6 bis 8 Jahren. (in Gefangenschaft bis zu 18 Jahre)
Wölfe sind Ausdauerläufer. Sie können im Trab, etwa 10 bis 12 km/h schnell bis zu 80 km pro Tag zurücklegen. Auf der suche nach einem neuen Territorium sind sogar 1000 km möglich. Kurzfristig können sie 50km/h erreichen. Damit zählen sie nach dem Bären zum größten Beutegreifer Europas.

Grafik: greeneducation4all/S. Gendera

 

Was frisst der Wolf?

 

Die Hauptmahlzeiten von Wölfen sind Huftiere, Kleinsäuger und bei Nahrungskanppheit auch mal Aas, Abfälle und Fisch in Küstengebieten. Ergänzend dazu nehmen sie Beeren, Gräser und ähnliches auf. Pro Tag muss ein ausgewachsener Wolf etwa 5 kg zu sich nehmen. Es kommt aber auch vor, dass 15 kg auf einmal gefressen werden, oder zwei Wochen komplett ohne Nahrung gefristet wird.
Jungtiere, die bis zu acht Wochen gesäugt werden, nehmen ab dem 20 Tag zusätzlich feste, vorverdaute und wieder hochgewürgte Nahrung zu sich.
Der Wolf nutzt immer die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Sind Nutztiere wie Schafe nicht ausreichend geschützt kann es zu Übergriffen kommen. Ein guter Herdenschutz mit Zäunen, Hirten und Hunden hilft Schäden zu vermeiden.

Hund = Wolf?

Kann man seinen Hund mit einem Wolf vergleichen oder gar gleichsetzen? Hier muss ein deutliches nein kommen. Es stimmt, dass der Wolf der wild lebende Stammvater des Haushundes ist. Dennoch hat seit ca 3600 Jahren der Hund vom Wolf weg entwickelt und so stark verändert, dass ein Vergleich schwierig wird. Zusätzlich dazu ist das Leben eines Wolfes nicht der passende Ausgangspunkt, um ein gesundes Hundeleben zu gestalten. Hierzu ein paar erklärende Beispiele.

„Wölfe fressen auch kein Getreide“

Das stimmt nur teilweise. Natürlich geht kein Wolf zum Getreidefeld und knabbert an den Ähren. Allerdings fressen sie durchaus Mageninhalt und auch Teile vom Darm der erlegten Beute. Da es sich hierbei um Pflanzenfresser handelt wird unweigerlich auch Getreide bzw Stärke aufgenommen. Dies ist zwar gering, was auch in der geringen Kapazität der Wölfe für Getreideverdauung resultiert, aber es ist vorhanden und keinesfalls schädlich.
Hunde, die als Begleiter des Menschen in ihrer Evolution sehr stark mit Getreide und Getreideprodukten konfrontiert wurden haben sich angepasst. Sie können problemlos Getreide und Stärke verdauen. Ihre Bauchspeicheldrüse produziert sogar mehr Verdauungsenzym als Pferde, die bekanntlich sehr viel Hafer oder ähnliches bekommen.

„Wölfe wissen instinktiv was sie brauchen“

Auch hier stimmt das leider nicht ganz bis gar nicht. Ein großer Aspekt für die kurze Lebenserwartung liegt in unausgewogener Ernährung. Der Wolf hat in der Natur nicht die Möglichkeit sich wirklich bedarfsgerecht zu ernähren. Er muss nehmen was er findet. Untersuchungen zeigen, dass die Tiere so gut wie immer Mangelernährt sind. Zusätzlich nehmen sie Nährstoffe wie Protein oder Kalzium entweder zu viel auf einmal oder zu wenig auf. All das belastet natürlich den Körper.
Wir als Halter geben dem Hund täglich das, was er benötigt. Exzesse werden vermieden und der Körper nicht zu sehr belastet. Dies trägt zu dem langen Leben unseres Freundes bei. Dieser Umstant trifft auch auf Wölfe zu. Im Zoo gehaltene Tiere, die täglich bzw ausreichend bedarfsdeckend gefüttert und versorgt werden erreichen hier ein alter von bis zu 18 Jahren. Das ist fast drei Mal so alt wie in freiere Natur.

„Der Wolf frisst auch Knochen“

Ja das tut er. Meistens handelt es sich aber um Jungtiere, hier sind Knochen teilweise noch deutlich weicher bzw besser zum Fressen. Zusätzlich lernen die Tiere es von klein auf und es handelt sich immer um rohen Knochen. Das Problem hier ist wieder eine unausgewogene Versorgung. An dem einen Tag nehmen sie mit ihrem Kochen exorbitant (zu) viel Kalzium auf. An anderen Tagen keines.
Hunde sind teilweise nicht in der Lage ( vgl. brachycephale Rassen wie der Mops) oder haben es nicht gelernt Knochen zu fressen. Zusätzlich hat man damit wie beim Wolf tage mit viel zu viel und Tage an denen zu wenig aufgenommen wird. Empfehlenswert wäre eine täglich gleichmäßige Aufnahme wie etwa durch Knochenpulver oder ähnliches.

Fazit

Der Hund ist kein Wolf. Man kann sich maximal ungefähr orientieren, aber selbst dann sollte man sich fragen warum? Der Hund und seine Bedürfnisse sind ausreichen erforscht und werden laufend weiter verbessert, um ein langes gesundes Leben zu garantieren. Ein Hund in freier Wildbahn würde, genauso wie der Wolf, nicht alt werden.
Wichtig sollte sein seinem Tier das zu geben, was es braucht. In welcher Form (berechnete BARF Raion/selbsgekochte Ration oder Fertigfutter) ist egal, solange alles enthalten ist, was das Tier benötigt. „Futter wie für Wölfe“ sollte kritisch gesehen  und Experimente generell vermieden weden.